Hawaii beginnt in den Bergen
oder
Warum mich die Berge stärker mit Hawaii verbinden als das Meer

Letzten Sommer stand ich am Atlantik, umgeben von Surfern, Salzluft und dem Gefühl von Freiheit. An all diesen Spots war Hawaii erstaunlich präsent – in Bildern, in Musik, in der ganzen Surf‑Kultur. Und doch wurde mir im Nachhinein bewusst: Nirgendwo fühle ich mich so tief mit Hawaii verbunden wie in den Bergen.
Das Wallis – mein kleines Hawaii!
Absurd, hätte ich früher gesagt.
Denkt man an Hawaii, denkt man an Sonne, Strand und Meer. Doch die Berge Hawaiʻis sind in unserer westlichen Wahrnehmung kaum präsent – obwohl dort der höchste Berg der Erde steht, wenn man vom Meeresgrund aus misst: der Mauna Kea mit rund 10.000 Metern.
Für das hawaiianische Volk sind die Berge heilige Orte. Und je tiefer ich mich mit der hawaiianischen Tradition verbunden habe, desto klarer wurde mir, warum ich diese Verbindung gerade in den Bergen spüre.
Mauna – der Berg als Ursprung
Das hawaiianische Wort für Berg lautet mauna.
Sprachlich wie kulturell ist es eng verwandt mit dem Begriff für Eltern. Beide stammen aus der polynesischen Wurzel mauga, die „erhabene Erhebung, Ursprung, Quelle“ bedeutet.
Warum sind „Berg“ und „Eltern“ miteinander verwandt?
In der hawaiianischen Weltanschauung sind Berge:
- Ahnen
- Ursprungsorte
- Verbindungslinien zu den Göttern
- Lebensspender
Genau wie Eltern.
Beide bringen Leben hervor, beide schützen, beide nähren. Darum teilen sie dieselbe sprachliche Wurzel.
Wākea und Papa – Himmel und Erde als erste Eltern
In der hawaiianischen Kosmologie gibt es zwei zentrale Kräfte:
- Wākea, der Himmelsvater
- Papa (Papahānaumoku), die Erdmutter
Aus ihrer Vereinigung entstehen:
- die hawaiianischen Inseln
- die Pflanzenwelt
- die Berge
- die ersten Menschen
Wākea steht für Weite, Geist, Ursprung und das schöpferische Prinzip von oben.
Papa steht für Erde, Körper, Fruchtbarkeit und das nährende Prinzip von unten.
Gemeinsam sind sie der Ursprung allen Lebens.
Mauna – das Kind von Himmel und Erde
Ein mauna ist in dieser Sichtweise ein direktes Kind von Wākea und Papa.
Ein Berg:
- wird aus der Erde geboren
- wächst in den Himmel
- verbindet oben und unten
- ist Achse, Wirbelsäule, Übergang
Darum gelten Berge als ältere Geschwister der Menschen.
Ein Berg nicht einfach Landschaft – er ist Familie.
Hāloa – warum Natur unsere Verwandte ist
Die hawaiianische Ahnenforschung erzählt:
- Aus der Verbindung von Papa und Wākea entsteht Hāloa, der erste Vorfahre der Menschen.
- Sein älterer Bruder ist Hāloanakalaukapalili, die erste Taro‑Pflanze.
Das bedeutet:
- Pflanzen sind unsere Geschwister
- Berge sind unsere älteren Geschwister
- Natur ist Familie
Diese Sichtweise verändert alles.
Sie schafft eine Beziehung, die nicht auf Besitz, sondern auf Verwandtschaft beruht.
Die spirituelle Kraft der Mauna
Ein mauna ist:
- Lehrer
- Hüter
- ein Ort der Klarheit
- ein Ort der Initiation
- ein Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren
Die Hawaiianer sagen:
„Der Berg hört dich, bevor du ihn betrittst.“
Ein Berg ist ein Bewusstsein.
Ein Wesen.
Ein Ahn.
Warum das meine Arbeit prägt
Wenn ich in die Berge fahre, dann fahre ich – nach hawaiianischen Verständnis – zu:
- einem Ahnen, der mich stärkt
- einem Ort der Erinnerung
- einem Ort der Rückverbindung
- einem Ort, an dem Mut, Klarheit und Identität wachsen
und verbinde in meiner Arbeit:
- Lomi – die Weisheit des Körpers
- Mauna – die Kraft der Ahnen
- Wākea – die Energie des Himmels und
- Papahānaumoku – die nährende Kraft von Mutter Erde
Diese Verbindung ist für mich gelebte Erfahrung.
Und vielleicht spürst du sie auch – wenn du das nächste Mal in den Bergen stehst und der Wind dir Geschichten erzählt.


